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Herrschaft Wellenberg


Hüttlingen und Mettendorf gehörten seit alter Zeit zur Herrschaft Wellenberg, die seit dem 9.Jahrhundert ein Lehen des Klosters Reichenau war, welches im Gebiet von Frauenfeld umfangreichen Grundbesitz besass und diesen durch das reichenauische Amt Frauenfeld verwalten liess.  Die Herren von Wellenberg waren Dienstleute des Abtes von Reichenau, und nach dem Erwerb der Abtei durch das Bistum Konstanz, des Bischofs von Konstanz. Die Dienstleute gehörten ursprünglich zum niederen Adel, stiegen aber in vielen Fällen zu Landesfürsten empor. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Herrschaft Wellenberg oft ihren Besitzer gewechselt.


1204  Ritter Walter von Wellenberg


1370  erwarben die Ritter von Hohlandenberg aus dem Tösstal die Herrschaft Wellenberg. Dieses Geschlecht hatte sich von bescheidenen Anfängen          zum bedeutesten Adelsgeschlecht der Nordschweiz entwickelt.


1513  ging die Herrschaft in den Besitz der Mötteli von Rappenstein über. Die Mötteli stammten aus Ravensburg und waren eigentlich bürgerlicher          Herkunft. Als erfolgreiche Kaufleute erwarben sie sich das Adelsprädikat. Später erwarben die Mötteli noch die Herrschaft Pfyn.


1537  kauft Junker Gregorius von Ulm Schloss und Herrschaft Wellenberg, dazu gehörten: Die Gerichte zu Wellenberg, Aufhofen, Bietenhard, Rüti,          Thundorf, Kirchberg und Buchschoren, ferner ein Anteil an den Gerichten zu Lustdorf, Mettendorf und Eschikofen. Kaufpreis 8987 Gulden.


1554  kam das Gericht von Hüttlingen mit "Zwing", "Pänn", Holz, Feld und allem Zubehör ebenfalls an die Herrschaft Wellenberg.


1576  Hans Jakob von Ulm veräusserte die Herrschaftsrechte in Thundorf, Lustdorf und Aufhofen und erwarb dafür solche in Weerswilen, Steinebrunn          und Egnach.


1603  Gregorius von Ulm


1620  Jakob Christoph von Ulm. Das Gericht Hüttlingen ging beim Tode des Gregorius von Ulm an Hans Kaspar von Ulm über, der seinen Sitz im          Schloss Hüttlingen nahm.


1669  kaufte der Stand Zürich die heruntergekommende Herrschaft Wellenberg und liess sie in der Folge durch einen Obervogt verwalten. Nach einem          Inventar von 1668 gehörten ausser dem Gutshofe des Schlosses zur Herrschaft: 750 Jucharten Wald und der Weissbach (Thunbach). Die          Gerichtsherrlichkeit zu Wellhausen, Kirchberg, Thundorf, Aufhofen, Bietenhard, Aeuglismoos und Waldhof gehörte ganz, die zu Lustdorf und          Mettendorf halb zur Herrschaft mit Vogtsteuer, Fastnachthühnern, Heugeld, Leibtagwen (Frondienste). Die halbe Gerichtsherrlichkeit zu          Lustdorf und Mettendorf lag bei der Abtei Reichenau.


         Interessant ist aus dieser Zeit die Angabe über die Bevölkerungszahl und der Vergleich zu den heutigen Verhältnissen:

 







         Der Verkauf an den Stand Zürich erfolgte um den Preis von 45'000 Gulden und 500 Louis d'or "Honoranz" an die Gattin des Verkäufers Jakob          Christoph von Ulm.


1670  starb Kaspar von Ulm, der seit 1620 Herr von Hüttlingen war. Seine Witwe - eine geborene  von Meiss aus Zürich - setzte alles daran, dass          Hüttlingen nicht in die Hände der katholisch gewordenen von Ulm auf Griessenberg gelangte.


1674  verkaufte sie die Herrschaft Hüttlingen mit dem Grundzins zu Hüttlingen und Mettendorf um 8760 Gulden an die Stadt Zürich. Dazu gehörte die          Gerichtsherrlichkeit von Lustdorf mit 32 Haushaltungen und ebensoviel Leibtagwen (Frondienst) und Fastnachthünern, und von Mettendorf 52          Haushaltungen mit denselben Gerechtigkeiten. - Damit erreichte die alte Herrschaft Wellenberg wieder den früheren Besitzstand von 1537.


1699  nahm eine zürcherische Domänen-Kommission eine Bestandesaufnahme über die Herrschaft Wellenberg vor. Aus dem eingehenden Bericht          entnehmen wir, dass die niedere Gerichtsbarkeit in Hüttlingen und der Geige, Hüttlingen zustand, ebenso der Hof Hessibohl. Zum alten          Bestand des Wellenbergs gehörten die Gerichte von Wellhausen, Kirchberg, Rüti, Thundorf, Dietzis (Dietlis) - Mühle, Aeuuglismoos, Aufhofen,          Bietenhart und Waldhof. In Lustdorf, Mettendorf und Eschikofen waren die Gerichte mit der Abtei Reichenau (Inhaber Bischof von Konstanz)          gemeinsam, jeder Teil hat das Gericht halb zu besetzen, jeder Teil hat seinen eigenen Schreiber laut Vertrag.


1669 - 1798

         In dieser Zeit verwalteten 11 zürcherische Obervögte die Herrschaft. Aus den ersten Regierungsjahren von Obervogt Escher (1669 - 1694) sei          folgende interessante Feststellung angeführt: "Die Wölf in diesen Landen, deren es ziemlich viel haben muss, sind schon bis einen          Pistolenschuss nahe ans Schloss gekommen und haben in dieser Herrschaft allbereits zwei Jungpferde und etlich gering Vieh niedergerissen.          Seit der letzten Jagt spüren wir sie nit mehr in der Nachbarschaft, aber aller Anzeigung nach, haben sie hier im Schlosstobel Junge gesetzt!!"          (Wolfsbühl!) - 1798 wurden die alten Feudalherrschaften aufgelöst und damit verlor auch der Stand Zürich das Interesse an der entlegenen          Besitzung im Thurgau.


1815  1815 wurden Schloss und Gutshof auf dem Wellenberg für 11'000 Gulden an J.L. Eder von Stans verkauft.


 

Quellen:

         Wirtschaftsplan über die Waldungen der Bürgergemeinde Hüttlingen 1951


         Wälli j. Pfr.: Schloss Wellenberg, Thurg. Beiträge zur vaterländ. Geschichte, 47. Heft 1907


         Staatsarchiv Thurgau: Urkundenbuch, Reichenauisches Amt Frauenfeld


         Staatsarchiv Zürich: Urkundensammlung Wellenberg


1669

1943

Lustdorf mit Höfen

213

207

Mettendorf

305

213

Wellhausen

230

334

Kirchberg, Thundorf und Höfe

386

515